Metamorphose verlorener Ritterschilde

 

Die Radkappen, die ich bearbeite, sind alle Fundstücke von der Straße.

Schon lange sammelte ich sie auf, ohne genau zu wissen, was ich damit anfangen würde.

Zuerst bemalte ich sie nur, aber das reichte mir nicht. Ich wollte der technischen Form noch mehr entgegensetzen; das Gerade und das Glatte auflösen; die Individualität hervorheben.

Ich fing an, sie mit zerknittertem Papier zu bekleben, mit Sand zu bestreuen. Ich suchte nach Materialien, um die Form zu erweitern, Unebenheiten zu schaffen, Lücken zu überbrücken und zu ergänzen. Holz, Kork, Perlen, Steine Scherben, Deckel, ausgedienter Schmuck und vieles mehr fand Verwendung.

Manchmal ist noch zu erkennen, welches Material benutzt wurde, aber manchmal rätselt man.

Dann kamen die Murmeln dazu. Sie wecken Kindheitserinnerungen, stehen für Ganzheit, Weiblichkeit, Geschlossenheit.

Die Kugeln greifen die runde Form der Radkappen auf. 

Die Radkappen sind aus der Bewegung zur Ruhe gekommen, denn vorher haben sie sich an den Autos gedreht und jetzt sind sie zu Meditationsobjekten für den Innenraum geworden.

Durch die Bearbeitung ist aus einem männlichen Attribut etwas sehr Weibliches geworden. Die Radkappen sind jetzt leuchtende glitzernde Schmuckstücke, die nur noch entfernt an ihre eigentliche Bestimmung erinnern.